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Biographie

Georges Braque war ein französischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Nach einer frühen fauvistischen Schaffensphase war Braque zusammen mit Pablo Picasso der Mitbegründer des Kubismus.

Braque machte im Jahr März/April 1906 durch eine Ausstellung im XXII. Salon des Indépendants, auf der er sieben Bilder zeigte (die alle später zerstört wurden), die Bekanntschaft von Henri Matisse, Albert Marquet und André Derain, die fauvistische Werke ausstellten. Braque wurde vom Stil dieser „Fauves“ (französisch für Wilde) genannten Künstler beeinflusst und widmete sich verstärkt dieser Richtung. Er arbeitete eng mit Raoul Dufy und Othon Friesz zusammen, die ebenfalls in Le Havre wohnten.

Ende November/Anfang Dezember 1907 begleitete Guillaume Apollinaire Braque in Picassos Atelier im Bateau-Lavoir, Rue Ravignan 13. Vermutlich war dies Braques erster Besuch, vielleicht hatten aber auch schon im Frühjahr, während der Indépendants, erste Kontakte stattgefunden. Hier sah Braque erstmals das im Sommer 1907 beendete Gemälde Les Demoiselles d’Avignon (Museum of Modern Art, New York) und das begonnene Gemälde Drei Frauen (Eremitage Sankt Petersburg). Beeindruckt von diesem Besuch, arbeitete auch Braque im Dezember an Figurenkompositionen und begann ein großes Gemälde mit dem Titel Frau (Verbleib unbekannt; vermutlich verloren oder zerstört). Picassos Atelier bildete nun den Ort, in dem nicht nur über Picassos Arbeiten – etwa Akt mit Kleidungsstück –, sondern auch über die Braques diskutiert wurde. So wurde auch Braque in seinem Dachatelier in der Rue d’Orsel von Picasso besucht, zumal das Bateau-Lavoir nur wenige hundert Meter entfernt lag.

Anfang 1908 arbeitete Braque an einem weiteren figurativen Motiv, dem Großen Akt (Öl auf Leinwand, 140 × 100 cm, Sammlung Ales Maguy, Paris). Im XXIV. Salon des Indépendants – Picasso zeigte seine Arbeiten niemals im Salon – stellte Braque neben dem Gemälde Frau (das im Katalog nicht erwähnt wird), vier weitere Arbeiten aus. Picasso äußerte gegenüber seiner Freundin Fernande Olivier, Braque hätte „ein großes Bild mit kubistischer Konstruktion heimlich gemalt“ ohne irgendjemanden die „Quelle seiner Inspiration“ zu verraten.5 So hatte Picasso seine Vorbehalte gegenüber Braque erst im Herbst 1908 aufgegeben, den er zuvor verdächtigte, seine Arbeiten und Ideen verwerten zu wollen, ohne deren Urheber anzugeben.

Im Sommer 1908 hielt sich Braque wieder in L’Estaque auf und malte eine Serie kubistischer Landschaften, von denen Straße bei L’Estaque (Museum of Modern Art, New York), das bekannteste ist. Picasso, der den Sommer im Val-d’Oise verbrachte und ebenfalls Landschaften malte, kam, völlig unabhängig, zu ganz ähnlichen malerischen Ergebnissen: „ einer verknappenden Bildsprache aus facettierten Formen, Mehransichtigkeit der Gegenstände und Zurücknahme der Farbe um der Form willen.“

Im Frühjahr 1910 entstand mit Frau mit Mandoline das erste ovale kubistische Gemälde, worauf Picasso ebenfalls ein ovales Bild mit gleichem Sujet malte. Die folgenden zwölf Monate malte er, sowohl in L’Estaque als auch in Paris, weitere Stillleben, zum Teil in ovaler Form. Anfang September 1910 schickte Kahnweiler vier Gemälde Braques und drei Gemälde Picassos als Leihgabe zu einer Ausstellung beider Künstler in der Galerie Thannhauser nach München.

Seit etwa 1911 lebte Braque mit Marcelle Laprè zusammen, mit der er im Januar 1912 eine gemeinsame Wohnung in der Impasse de Guelma 5 bezog. In der Literatur wird sie seit 1912 als „Marcelle Braque“ bezeichnet; tatsächlich heiratete das Paar erst 1925. Marcelle Laprè (1879–1965) sollte seine lebenslange Begleiterin werden. Den Sommer 1911 verbrachten Braque und Picasso einige Wochen in der südfranzösische Kleinstadt Céret. Sie setzten hier ihren intensiven, in Paris begonnene Austausch fort, die Zeit der produktivsten Zusammenarbeit beider Künstler begann. Während Braque den Mann mit Gitarre, malte, antwortete Picasso mit der kongenialen Akkordeonspielerin. In den Stillleben Kerzenleuchter (Braque) und Stillleben mit Fächer (Picasso) bezogen beide Künstler den in Fraktur geschriebenen Titel der Tageszeitung L’Indépendant in ihre Motive ein. Picasso kehrte Anfang September nach Paris zurück, Braque blieb bis Januar 1912 in Céret, korrespondierte aber häufig mit Picasso. In dieser Zeit werden auch die ersten Papierplastiken von Braque datiert, die ihm bei Picasso den Spitznamen Wilbur Wright (nach dem Konstrukteur von Doppeldecker-Flugzeugen) einbrachte.

Aus Céret kehrte Braque mit dem Gemälde Hommage an J. S. Bach zurück, in dem er erstmals Pochoir-Buchstaben verwendete. Gleichzeitig fügte er in das Motiv eine naturalistisch gemalte Holzmaserung ein. In Paris malte er das runde Stillleben Soda und Mann mit Violine. Ende April fuhr Braque zusammen mit Picasso einige Tage in seine Heimatstadt Le Havre, ein Besuch, der Picasso zu dem Gemälde Souvenir du Havre anregte. Anfang August brachen Braque und Marcelle nach Sorgues (sur-l’Ouvèze) auf, einer kleinen Stadt nördlich von Avignon, wo sie eine kleine Villa bezogen und wo Braque weiterhin an seinen Papierskulpturen arbeitete. Seinen Mal-Pigmenten mischte er erstmals Sand bei. In Sorgues trafen sie Picasso, der sich in der Nachbarschaft mit seiner Freundin Eva Gouel eingemietet hatte. Angeregt durch seine Papierskulpturen, entstanden Mitte September die ersten Papiers collés, Werke, bei denen er Holzimitat-Papier, später auch Zeitungsausschnitte kompositorisch als Bildelemente einsetzte. Picasso griff Braques „Erfindung“ umgehend auf und verwendete zudem Notenpapiere und Tapetenmuster in seinen Kompositionen. Die Papier collés leiteten mit ihrer flächigen, zweidimensionalen Anmutung und ihrer zunehmenden Farbigkeit, den Übergang zum Synthetischen Kubismus ein.

Im Winter und im Frühjahr 1914 arbeiteten beide Künstler wieder in Paris. Auf den engen Kontakt lassen die Titel der Arbeiten schließen: Stillleben mit Herz-As (Braque) und Weinglas mit Kreuz-As (Picasso). Im Juni brach Braque zu einer Fahrradtour auf, deren Ziel das Sommerhaus in Sorgues war. Dort erwarteten ihn bereits Picasso und André Derain. Picasso hatte mit Eva im benachbarten Avignon ein Haus bezogen. Nach der Kriegserklärung Österreichs an Serbien wurden Braque und Derain zum Kriegsdienst eingezogen, Picasso war als Spanier nicht wehrpflichtig.

Am 2. August 1914 wurden beide Maler von Picasso zum Bahnhof von Avignon gebracht. Picasso äußerte später (wenn auch metaphorisch), dass er Braque seither niemals wieder gesehen hätte. Im Dezember 1914 zeigte Alfred Stieglitz' Galerie 291 in New York zwanzig Bilder von Braque und Picasso aus der Sammlung von Francis Picabia.

1915 wurde Braque bei einem Fronteinsatz am Kopf schwer verwundet. Nach langer Rekonvaleszenz in Sorgues kehrte er im Frühjahr 1917 nach Paris zurück und begegnete häufig Juan Gris und dem Bildhauer Henri Laurens. Zu Picasso hatte er keinen persönlichen Kontakt mehr. Er entfernte sich vom Kubismus und entwickelte einen eigenen Stil, bei dem er vornehmlich Stillleben malte. 1922 wurde Braque eingeladen, in einem eigenen Raum an der Ausstellung des Salon d’Automne teilzunehmen. Er verkaufte sämtliche 18 ausgestellten Arbeiten.16

1930 baute er ein Landhaus im Badeort Varengeville-sur-Mer (bei Dieppe). In den 1930er und 1940er Jahren malte Braque Motive, bei denen sich Figur und Raum (Malende Frau, 1936) und Raum und Interieur (Der Billardtisch, 1945) durchdrangen. In seinen 1946 entstandenen Atelier-Bildern verwendete Braque einen großen weißen Vogel, ursprünglich das Motiv eines Gemäldes, das Braque zerstörte. Ab 1947 arbeitete er mit dem Steindrucker Fernand Mourlot in Paris zusammen, der seitdem seine Lithografien druckte. 1948 erschien bei Maeght in Paris die Lithografien-Suite Cahier de Georges Braque. 1953 erhielt er den Auftrag, ein Deckengemälde für die Etruskische Galerie im Louvre auszuführen. 1954 schuf Braque für den Chor der Saint-Valery-Kirche von Varengeville ein tiefblaues Glasfenster, das den Stammbaum Christi darstellt, und für die Saint-Dominique-Kapelle desselben Dorfs sieben figurative Glasfenster. 1958 wurde er mit einem internationalen Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet. 1951 wurde er als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.17 1959 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Für die 1964 eröffnete Fondation Maeght bei Saint-Paul-de-Vence schuf er ein Wasserbecken und ein Glasfenster in der dazugehörigen Kapelle.

Am 31. August 1963 starb der Künstler in seiner Pariser Wohnung. Seine Grabstätte liegt auf dem Friedhof von Varengeville-sur-Mer in der Normandie.

Georges Braque war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959) und (postum) der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.