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Biographie

Ignaz Epper gilt als einer der Hauptvertreter des schweizerischen Expressionismus. Dieser Ruf gründet in erster Linie auf seinem grafischen Werk, insbesondere auf den in den 1910er- und 1920er-Jahren entstandenen Holzschnitten. Der Stil ist geprägt von einer vereinfachenden, verzerrenden Formgebung; alternierende weisse und schwarze Streifen, sich überkreuzend, radial auslaufend oder parallel liegend, bestimmen das Bildfeld. Die anfänglich breiten Kerben entwickeln sich mit der Zeit zu feineren Linien, die die Körper gerüsthaft umzeichnend in den Raum einspannen. Die Technik des Weisslinienschnitts oder das Strahlenmotiv betonen die wichtige Rolle des Lichts.

Diese frühen Werke − neben dem Holzschnitt dominiert die Zeichnung in Kohle und Kreide − sind durchwegs von einer pessimistischen Weltschau geprägt. Ob es sich um biblische (Sebastian, Passion, Simson, Judith und Holofernes) oder Kriegs- und Grossstadtthemen (Krankenzimmer, Erschiessung, Vergewaltigung, Bordell) handelt, um Pferdemotive oder Industrielandschaften in Öl: alle drücken sie Gewalt und Leiden aus. Im Zentrum der Beschäftigung Eppers steht aber die menschliche Figur, die anfänglich fast zeichenhaft stilisiert wird, in den 1920er-Jahren jedoch zunehmend an Körperlichkeit gewinnt. Hervorstechende Eigenheit der Gestalten sind ihre knochigen Extremitäten und die riesigen Augen, die auch ein Hauptmerkmal der zahlreichen Porträts der Zeit bilden.

Mit seinem Rückzug ins Tessin verringert sich die Zahl der Werke, die nun vermehrt in Öl und Aquarell geschaffen sind. Thematisch und stilistisch ist eine teilweise bis zur Harmlosigkeit führende Beruhigung der Arbeiten festzustellen. Während das Gesamtwerk Eppers trotz autobiografischer Züge zahlreiche Einflüsse verrät, stellen die frühen Holzschnitte einen eigenständigen und unverwechselbaren Beitrag zur schweizerischen Kunst dar.